Mit dem Totschläger fürs Abendland: Chronologie der militanten Angriffe und Aktivitäten der neofaschistischen “Identitären” am 16. und 17.1.2016 in Graz

sellner und huemer mit mundschutz

Identitäre mit “Beute”: vorne v.l.n.r. Philipp Huemer (markiert), Patrick Reissner, Jörg Dittus. Stehend u.a.: Tino Tafanek, Luca Kerbl, Maximilian Mrak, Martin Sellner (markiert) und Roland Moritz. Ebenfalls beteiligt war Patrick Lenart.

Am 16. Januar veranstalteten die neofaschistsichen “Identitären” im Hotel Weitzer eine „Konferenz zur Asylkrise“ mit etwa 100 Telnehmenden. Luca Kerbl, Patrick Lenart und Thomas Sellner referierten dabei, u.a. „wie Protest organisiert wird.“ Eine praktische Umsetzung ihrer Vorstellungen zeigten die Verteter_innen der “Identitären” in den darauffolgenden Stunden:
Wie das linke Kulturzentrum SUb in einer Stellungnahme bekannt gab, verschafften sich am Abend des 17.1.2016 etwa 15 Aktivisten aus dem engsten Kreis der “Identitären” Zugang zu den Vereinräumen. Dort rissen sie mehrere antirassistische und antisexistische Poster von den Wänden und klebten ihre Sticker.
Offensichtlich suchten die “Identitären” gezielt eine gewaltätige Konfrontation und bereiteten sich in der Planung des Angriffs darauf vor. So posieren Martin Sellner und Philipp Huemer auf einem Gruppenfoto, welches die “Identitären” via Twitter verbreiteten, mit Mundschutz, wie er von Kampfsportlern getragen wird. Ebenfalls auf dem Foto, welches nur wenige Meter neben dem SUb aufgenommen wurde, zu sehen sind die Poster, welche die Gruppe aus dem Vereinsprojekt entwendete.

Dies war nicht die erste Provokation der Rechtsextremen gegen das SUb. Bereits im Mai 2015 wurden “Identitäre” gemeinsam mit dem ehemaligen  RFS-Obmann Martin Udo Sumper von Aktivist_innen des Vereins bei dem Versuch, einer vereinsinternen Veranstaltung beizuwohnen, erkannt und hinausbegleitet. Jörg Dittus, der ebenfalls bei der Provokation in der Nacht auf den 17.1.2016 beteiligt war, postete via Facebook bereits im März 2013 ein Foto der Fassade des SUb, dessen Existenz dem deutschnationalen Burschenschafter offenbar seit langem ein Dorn im Auge ist.

Demonstration und militante Angriffe der “Identitären”

PEGIDA, 17.1.2016

PEGIDA: v.l. Herbert Lang, Herbert Zangl1 (mit Thor Steinar Hose), Siegmund Arnold, Werner Wirth, Manuela Wirth.

pestl, kirschner, haider

PDV: Wolfgang Pestl, Thomas Kirschner, ganz rechts: Werner Haider

kurzmann begrüßt kerbl

Luca Kerbl (hinten Mitte ) begrüßt Familie Kurzmann. Ganz links dabei: Jörg Dittus.

Am Folgetag organisierten die “Identitären” eine Kundgebung vor der geplanten Asylwerber_innenunterkunft in der Grazer Kirchnerkaserne.  Die etwa 150 anwesenden Personen waren großteils “identitäre” Aktivist_innen, welche bereits am Tag zuvor an der Konferenz teilgenommen hatten. Außerdem nahmen Aktivist_innen von PEGIDA Österreich und der neonazistischen PDV an der Kundgebung teil.
Insbesonders die PDV, die ihren Parteisitz gegenüber der Kirchnerkaserne hat, versuchte zur “identitären” Kungebung zu mobilisieren, da ihre eigene Demonstration in der Folgewoche am selben Ort aufgrund einer gleichzeitigen antirassistischen Kundgebung nicht genehmigt wurde.
Ebenso anzutreffen bei der Demonstration der “Identitären” war der dritte steirische Landtagspräsident und FPÖ-Politiker Gerhard Kurzmann mit seiner Gattin. Die Kurzmanns, die gegenüber dem Standard angaben “gegen die Überfremdung” zu demonstrieren, wurden bei ihrem Eintreffen von dem “Identitären” Luca Kerbl freundschaftlich begrüßt.

Die Reden der “Identitären” unterschieden sich thematisch kaum von ihrer gewohnten Propaganda, welche lediglich um eine kurze Anekdote des nächtlichen Besuchs im SUb ergänzt wurde. Einen Gastbeitrag hielt der rechtsextreme Schweizer DPS-Politiker und PEGIDA-Aktivist Ignaz Bearth, der darin forderte: “Faymann nach Sibirien, Putin nach Wien”. Auch wenn die Vermutung nahe liegt, nahm Bearth am Vortag nicht an der “Identitären”-Konferenz teil, sondern besuchte das Neujahrstreffen der FPÖ in Wels.

Ihre Gewaltbereitschaft demonstrierten die “Identitären” erneut nach Ende der offiziellen Kundgebung. Mehrere “Identitäre” lauerten in einer Seitenstraße Antifaschist_innen auf ihrem Heimweg auf, schlugen mit Fäusten, Teleskopschlagstöcken und Gürteln auf sie ein, und würgten sie. Laut dem DÖW, StopptDieRechten und VICE konnten unter den Angreifern übereinstimmend Fabian R(usnjak), Dominic H(acker) und Philipp H(uemer) identifiziert werden.

rusnjak - döw

Rusnjak mit Teleskopschlagstock am 17.1.2016 in Graz

fabian rusnjak 17.1.2016_1

Rusnjak am 17.1.2016 in Graz

Massive Gewalt ging dabei von dem “identitären” Anti-Antifa-Fotograf Fabian Rusnjak aus, der mit einem Teleskopschlagstock, einem sogenannten “Totschläger”, die Antifaschist_innen attackierte. Teilweise waren die Hiebe so heftig, dass ein Teil der Stahlrute abbrach. Zuvor soll Rusnjak einen Journalisten mit Faustschlägen in den Rücken attackiert haben. Rusnjak ist eines der Gründungsmitglieder der “Identitären” in Wien und agiert dort als Ordner auf Demos.

Der “identitäre” Aktivist Dominic Hacker schlug wiederholt mit der Metall-Schnalle seines Gürtels zu. Hacker ist im Kern der “Identitären” Wien organisiert und trat letztes Jahr als Ordner bei einer “Identititären”-Demonstration auf. Vor dem Übergriff wurde Hacker zusammen mit Werner Haider, dem stellvertretenden Bundesparteiobmann der PDV, gesehen.

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Hacker am 17.1.2016 in Graz mit Gürtel als Waffe

haider und hacker, 17.1.2016

v.l. Haider (PDV) und Hacker am 17.1.2016 in Graz

hacker

Hacker am 17.1.2016 in Graz


huemer und dittus

v.l. Dittus und Huemer am 17.1.2016 in Graz

Bildquelle: DÖW

v.l. Huemer und Hacker beim Angriff am 17.1.2016 in Graz

Wie erwähnt war Philipp Huemer auch in den Angriff auf das SUb involviert und posierte anschließend mit Mundschutz und martialischer Pose auf dem Gruppenfoto.
Huemer ist ebenfalls zum Kern der österreichischen “Identitären” zu zählen und trat als Gastredner auf der PDV-Versammlung in Wien am 21.11.2015 auf. Huemer und Rusnjak wohnen gemeinsam mit weiteren “Identitären” in einer Wiener WG.

Nach der Auseinandersetzung ließen die “Identitären” (wie gewohnt bei ihren Grazbesuchen), das aus ihrer Sicht wohl gelungene Wochenende im Gasthaus Gehringer ausklingen.

 

 


1 Richtigstellung: In der Vergangenheit wurde, auch auf unserem Blog, Herbert Zangl fälschlicherweise als “Thomas Kalser” vorgestellt. Neben der äußeren Ähnlichkeit der beiden Personen ist diese Verwechslung auch auf Kalsers Betätigung als Ordner bei PEGIDA Kundgebungen zurückzuführen.

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