Nationale Hüttengaudi bei Wagräin (Sbg) – von “identitär” zu neonazistisch

hütte mit gestürztem lambda

Winklers Interpretation der Lambda-Fahne…

Die Almhütte vom „Freeman“1 Martin Winkler am Öbrist bei Wagräin/Sbg. hat in den letzten Jahren so einige skurille Personenkreise angezogen. So veranstaltete der aus der ORF-Reportage „Am Schauplatz“ bekannte und bekennende Cannabis-Konsument noch im Juli 2014 das „1ste Cannabis Wiesenfest“, welches er (um kein Klischee auszulassen) mit dem Bild eines nackten, rauchenden Hippies bewarb – und zu dem er pauschal gleich „alle Freeman“ einlud.

"Treue und Ehre" vor schwarzer Sonne

“Treue und Ehre” vor schwarzer Sonne

Inzwischen richtet sich Winkler in seinen Postings allerdings an „Kameraden, Patrioten, Nationalisten, Hooligans,“ etc., deren Schulterschluss er fordert, und die Flower Power ist einschlägig neonazistischer Symbolik und Propaganda gewichen.

Auch seine Hütte stellt Winkler nicht mehr für Cannabis-Festivitäten, sondern als Austragungsort rechtsextremer Stammtische und Veranstaltungen zur Verfügung:

IB-Stammtisch Wagrain

Stammtisch der “Identitären” Salzburg am 21.1.2016 in Winklers Hütte. Vorne, v.l.n.r.: Benjamin Angerer, Dominik Steizinger, Edwin Hintersteiner, Martin Winkler

  • Am 21. Januar 2016 gastierten die rechtsextremen „Identitären“ aus Salzburg um Edwin „Frundsberg” Hintersteiner für einen Stammtisch bei ihm. 
  • Am 12. Februar 2016 organisierten die “Identitären” den zweiten Stammtisch in Winklers Hütte – inkl. Vortrag von Steizinger.
  • Am 4. Juni 2016 veranstaltete Winkler seinen eigenen “heimatverbundene[n] Stammtisch“ mit dem Ziel, Szenarien für den Bürgerkriegs- und Krisenfall zu diskutieren.
  • Der zweite “heimatverbundene Stammtisch” folgte am 2. Juli – unter der “identitären” Parole: “HEIMAT FREIHEIT TRATION…MULTI KULTI ENDSTATION” (sic!).
  • Am 30. Juli folgt der „Tag der Patrioten“ der neonazistischen „Partei des Volkes“ (PDV). Das Vernetzungstreffen mit „Ansprachen, Diskussionen und Spanferkerl“ wirkt wie ein Strohhalm, mit dem sich die Partei aus der Krise zu retten verscht – nach Spaltung, mehreren gefloppten Kundgebungen und der Festnahme ihres Obmanns.

“Identitärer” Aktivismus – vom Stammtisch auf die Straße

Winkler Ordner 27.2.

“Identitäre” Demonstration am 27.2.2016 in Freilasing (m.: Steizinger, r.: Winkler)

Winklers Aktionismus beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Organisation von rechtsextremer Infrastruktur: Als „Identitäre“ am 27.2.2016 in Freilassing/Sbg. aufmarschierten, wirkte Winkler als “identitärer” Ordner mit, danach wurde er
bei ihren Aktionen allerdings nicht mehr gesehen. Trotz einer solchen scheinbaren Distanz fühlt er sich offensichtlich dieser rechtsextremen Gruppierung nach wie vor eng verbunden. So bezeichnete er anlässlich der Publikation einer “Outing-Broschüre” zu den “Identitären” durch die Recherche Wien die darin genannten identitären Aktivist_innen als “Kameraden”.

Des weiteren steht er im Zusammenhang mit mehreren rassistischen Transparenten und einem Plakat, die Anfang April 2016 in Flachau/Sbg. bzw.  Anfang Mai in St. Johann an öffentlichen Orten platziert wurden.

Neonazipropaganda im Internet

Winkler-Trutzgauer-Bote

“Ihr bringt uns um, Hitler wollte uns retten.” – Winkler teilt Neonazi-Propaganda des Trutzgauer Boten

Auch über das Internet verbreitet Winkler mannigfaltig rechtsextreme und (neo)nazistische Propaganda: So finden sich z.B. auf seinem Facebook-Profil Hitlerreden2, genauso wie die offen neonazistische Propaganda des „Trutzgauer Boten“. Der von Winkler verlinkte Beitrag berichtet dabei über einen angeblich in Österreich und Deutschland derzeit durch Migration „stattfindenden Vernichtungskrieg gegen die weißen Menschen Europas“, gesteuert von den „jüdischen Machtzentren”.  Im Text werden Brandanschläge auf Asylheime als nachvollziehbare „Notwehr“ legitimiert. Verschlagwortet wurde der Artikel übrigens mit „Der große Austausch” – eine Formel, die vor allem die „Identitären” für ihre Kampagne verwenden…

winkler III.Weg

Winkler teilt Propaganda-Artikel der Neonazi-Partei

Neben seinen Mobilisierungen für die neoanzistische PDV verbreitet er verschiedene Beiträge der deutschen Neonazi-Parteien NPD und „Der III-Weg“: etwa Soldatenvideos über den „heldenhaften Einsatz unserer Großväter und – Mütter”, urspünglich geposted von „Baldur Landogart“ alias Tobias Schulz, einem Beisitzer im Bundesvorstand der NPD3; oder Beiträge des „III.Wegs“, angefangen von geschichtsrevisionistischem „Heldengedenken“4 (inkl. der Aufforderung, die Propganda weiterzuverbreiten) bis hin zu „grundsätzlichen“ (rassistischen) Überlegungen zum Begriff der Toleranz. Dahinter verbirgt sich jedoch nichts anderes als die gewohnte Leier eines angeblichen „Genozid[s] an der deutschen Volkssubstanz“, gepaart mit antisemitisch aufgeladener, völkischer (Pseudo-) Kapitalismuskritik.

freikorps division 2016 österreich landesführer martin winkler

Screenshot des Facebook-Titelbilds von Martin Winkler

freikorps SuG

“Stolz und GruSS” der Freikorps Reserve.

Um seine herbeiphantasierte Vernichtung nicht nur politisch, sondern auch militärisch aufhalten zu können, bezeichnet sich Winkler seit Angang Juli als “Landesführer” des “Freikorps 2016 Divsion Österreich”. Bereits zuvor partizipierte Winkler auch in vergleichbar einschlägigen Facebook-Gruppen, wie der „Patrioten Reserve“. Was ihm genau dabei zusagt, ist unklar: Die Symbolik aus Eisernem Kreuz mitsamt der Verabschiedung „Stolz und GruSS“? Oder das martialische Aufreten des Freikorps? Immerhin meinte er schon am 26.11.2015 um 11.36 Uhr, er wolle sich „bis an die Zähne bewaffnen“. Tierische Unterstützung gibt es dabei vom Kameraden Charly Rola aus Fernach (OÖ), der Winkler einen Schutzhund aus seiner Zucht anbietet – nachdem er auf Winklers Facebook-Seite am 21. Juni um 08.51 Uhr öffentlich forderte, dass das KZ Mauthausen wieder eröffnet werden solle, und Winklers Hütte als „Führersitz“5 bezeichnete. Während Winkler erstgenannten Kommentar akzeptierte, markierte er zweiteren sogar mit „gefällt mir“.

Eine Zusammenfassung seiner politischen Gesinnung brachte der „identitäre“ Ordner und PDV-Unterstützer mit einem Facebook-Posting am 22.2.2016 um 17.27 Uhr selbst auf den Punkt: „Ich bin ein Nazi”. Die Recherche Graz schließt sich dieser Einschätzung vorbehaltlos an.


1 Freeman“ ist die Selbstbezeichnung von Anhänger*innen einer Verschwörungstheorie, der zufolge Staaten illegitime „Firmen“ sind, deren Zugehörigkeit und Verfügungsgewalt individuell gekündigt werden kann. Dabei vermischen sich ihre absolute Opposition zu jeder Form einer Regierung seit jeher mit antisemitischen Erklärungsmustern und esoterischem Naturrechtsglauben. Ein weiterführender Bericht über „Freeman“ in Österreich findet sich auf verschwörer.at
2 vgl. Facebook-Postings von Martin Winkler 7.12.2015 um 11.31 Uhr sowie 24.9.2015 um 13.48 Uhr.
3 Facebook-Posting von Martin Winkler vom 19.12.2015 um 12.15 Uhr.
4 Facebook-Posting von Martin Winkler vom 24.11.2015 um 18.59 Uhr.
5 Facebook-Posting von Carly Rola auf der Pinnwand von Martin Winkler vom 21.06.2016 um 08.26 Uhr

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